Esther, als Head of Safety hast du strategischen Einfluss auf das gesamte Unternehmen. Welches sind die grössten Herausforderungen dabei?
Die Pharmakovigilanz hat eher einen indirekten als direkten Einfluss auf das Unternehmen. Wir treffen keine Geschäftsentscheidungen, liefern aber die Daten und wissenschaftliche Bewertungen, auf denen Entscheidungen beruhen. Safety-Daten können beispielsweise die Bewertung einzelner Produkte und damit auch das Produktportfolio beeinflussen.
Eine grosse Herausforderung besteht darin, jederzeit regulatorisch korrekt zu arbeiten. Dazu gehören unter anderem die Einhaltung von Meldefristen und die termingerechte Erstellung von Sicherheitsberichten. Gleichzeitig müssen wir häufig Entscheidungen auf Basis unvollständiger Daten treffen. Hier ist sorgfältiges Arbeiten besonders wichtig. Das Vier-Augen-Prinzip hilft uns dabei, Risiken richtig einzuschätzen und relevanten Informationen nicht zu übersehen.
Eine weitere Herausforderung ergibt sich daraus, dass Produkte in verschiedenen Ländern unterschiedlich eingestuft werden können. So kann ein Produkt in einem Land als Arzneimittel und in einem anderen als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden. Vielen Konsumentinnen und Konsumenten ist nicht bewusst, dass für Nahrungsergänzungsmittel andere Anforderungen gelten als für Arzneimittel. Hier braucht es noch mehr Aufklärung.
Und letztlich gilt für unsere Arbeit: Wenn man von uns nichts hört, ist das meist ein gutes Zeichen.
Du hast Molekularbiologie an der Uni Konstanz studiert bzw. dort promoviert. In welcher Weise sind dir die Erkenntnisse aus der Forschung zu den molekularen Prinzipien des Lebens auch heute noch nützlich?
Das ist mir tatsächlich immer noch sehr nützlich. A.Vogel betreibt aktiv Forschung, um unseren Kundinnen und Kunden wirksame und hochwertige Produkte anbieten zu können und gleichzeitig langfristig konkurrenzfähig zu bleiben.
Dabei ist es wichtig zu verstehen, wie Heilpflanzen wirken, welche Inhaltsstoffe sie enthalten und welche Rolle diese spielen. Ein Beispiel ist Salbei, bei dem wir heute besser verstehen, wie bestimmte Inhaltsstoffe Prozesse beeinflussen, die bei Hitzewallungen in der Menopause eine Rolle spielen.
Auch im Bereich Arzneimittelsicherheit ist dies relevant, wenn es darum geht, biologische Prozesse zu verstehen und einzuordnen, etwa bei Interaktionen zwischen verschiedenen Arzneimitteln und den daraus resultierenden Nebenwirkungen.
Du bist nach langjähriger Berufserfahrung aus dem klassischen Pharma- in den Phytopharma-Bereich gewechselt. Wie erlebst du Unterschiede respektive Gemeinsamkeiten der Branche?
Der grösste Unterschied besteht darin, dass wir im Phytopharma-Bereich meist mit komplexen Vielstoffgemischen arbeiten. Im Gegensatz zur klassischen Pharma, bei der häufig ein einzelner Wirkstoff gezielt an einem bestimmten Target wirkt, tragen bei Pflanzenextrakten oft mehrere Inhaltsstoffe gemeinsam zur Wirkung bei.
Dadurch sind die Wirkmechanismen nicht immer vollständig aufgeklärt. Gleichzeitig können Phytopharmaka oft breiter eingesetzt werden und eignen sich besonders gut für die langfristige Unterstützung von Gesundheit und Wohlbefinden.
Was viele überrascht: Auch pflanzliche Arzneimittel müssen dieselben hohen Anforderungen an Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit erfüllen wie synthetische Arzneimittel. Beide können Nebenwirkungen und Wechselwirkungen verursachen und beide unterliegen strengen regulatorischen Vorgaben.
Als ich nach rund zehn Jahren in der klassischen Pharmaindustrie in den Phytopharma-Bereich wechselte, war ich beeindruckt, wie streng reguliert und wissenschaftlich fundiert auch dieser Bereich ist.
Wenn du Unternehmensgründer Alfred Vogel heute noch treffen könntest: Was würdest du ihn gerne fragen?
Ich würde Alfred Vogel fragen, ob es eine Heilpflanze gibt, deren Potenzial seiner Meinung nach noch nicht ausgeschöpft ist oder die bisher vielleicht sogar übersehen wurde.
Spielt die Naturheilkunde auch in deinem privaten Umfeld eine Rolle?
Oh ja! Ich habe zwei schulpflichtige Kinder, die besonders in der Herbst- und Wintersaison gerne den einen oder anderen Erreger mit nach Hause bringen. Deshalb haben wir zu Hause immer ein gut gefülltes Sortiment an natürlichen Helfern, darunter natürlich auch Produkte von A.Vogel. Mein persönlicher Favorit ist das Halsschmerz-Spray.
Und nicht nur wir profitieren von der Naturheilkunde: Auch für unsere Vierbeiner greifen wir regelmässig auf natürliche Unterstützung zurück.

Wie erholst du dich in deiner Freizeit, was schenkt dir neue Kräfte?
Den grössten Teil meiner Freizeit verbringe ich mit einem recht zeitintensiven Hobby: dem Reiten. Wir haben zwei Pferde und für mich gibt es kaum einen besseren Ausgleich zum Berufsalltag. Im Stall kann ich komplett abschalten und neue Energie tanken.
Besonders schön ist, dass meine beiden Töchter diese Leidenschaft mit mir teilen. So verbringt ein grosser Teil unserer Familie die Freizeit gemeinsam. Jetzt fehlt eigentlich nur noch mein Mann – den versuche ich noch davon zu überzeugen, einmal auf ein Pferd zu steigen.
